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Lernen ist lustig?

Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder in den ersten zehn Lebensjahren zuerst sensomotorisch und danach operativ lernen. Formales Lernen und verpflichtendes Gruppenangebot kann erst ab zirka sieben Jahren verstanden werden.

Deshalb stärken wir Kinder zuerst in ihrem Ich, später in der Zusammenarbeit mit dem Du und erst in der SchülerInnengruppe mit einem Wir.
Die PädagogInnen im Haus sind also für die ersten sieben Jahre vor allem Begleiter bei der Aneignung individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Die Anforderung des Hauses "Ich entscheide mich" ist umso schwerer, je jünger die Kinder sind und je mehr sie es bereits gewohnt sind, manipuliert zu werden.
Die beiden Hausgesetze "Ich tu niemandem weh", und "Ich räume weg" sind der Übungsboden für prozessorientiertes Lernen und Konfliktlösungen vor allem ab ca. sieben Jahren.

Wir nutzen folgende Lernstrategien:
  • Imitationslernen
  • Lernen mit Rücksicht auf
    neurobiologische Grundlagen
  • Prozessorientiertes Lernen
  • Lernphasen nach Piaget: 
    • sensomotorisches Lernen (0-7 Jahre)
    • operatives Lernen (7-12)
    • formales Lernen (ca. ab 12)
Die PädagogInnen unterstützen die Kinder in ihren Vorhaben und sorgen dafür, dass soziale Grundregeln eingehalten werden.

Lehrplan

Der Glockseelehrplan/Differenzlehrplan bildet die Grundlage für das Öffentlichkeitsrecht, das die Regenbogenschule seit 1995 besitzt. (Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht haben das Recht, staatsgültige Zeugnisse auszustellen)

Der Glockseelehrplan gliedert sich in vier Bereiche:


Gesellschaft  -  Sprache  -  Ästhetik  -  Natur


Die Erweiterung sozialer Kompetenz ist das Hauptanliegen im Bereich Gesellschaft. Das fängt mit der Frage an, die unsere Jüngsten schon benutzen: "Willst du mit mir ... das spielen, dort hingehen, das holen ... ?"

Wöchentlicher Übungsboden für soziale Kompetenz sind der Indianerrat und die Mittwoch - Mitbringrunde. Bei diesen beiden Veranstaltungen liegen die Möglichkeiten, dass SchülerInnen und PädagogInnen ihr Zusammenleben und -lernen verändern, wenn es ihnen nötig erscheint oder sich gegenseitig als ExpertInnen in einem bestimmten Thema begegnen wollen.

Der Bereich Sprache ist vielschichtig. Erzählen, diskutieren, Konflikte lösen, Schreiben, Texten, Rechtschreiben, lesen, Brettspiele, Rollenspiele.
Die deutsche Sprache wird jeden Freitag um einen Englischtag erweitert, an dem die Melodie des Englischen dadurch spürbar wird, dass die Erwachsenen miteinander und auch mit den Kindern englisch sprechen.

Der Bereich Ästhetik betrifft die Feinmotorik und die Gesamtkörperkunst jedes Menschen, alles was Kunst und Kultur unseres Menschseins ausmacht.

Im Bereich Natur ist die Mathematik eingebettet.

Das gesamte motorische Lernen drinnen und draußen, das Forschen, Erkunden, Lernen (Geografie, Biologie, Geologie, Astronomie), ist zusammengefasst im Bereich Natur.



Das Herz des sozialen Lernens - der Indianerrat

Das Herz der Schule ist der Indianerrat, das Wochenplenum. Dieser Indianerrat - für alle ab sieben Jahren verpflichtend - hat eine besondere Atmosphäre und Wichtigkeit, sodass sich alle darauf freuen.

Es gibt keine Unternehmungen oder größeren Veränderungen im "Regenbogenleben", die nicht im Indianerrat "beantragt" wurden. Dieses Plenum ist im Lauf der Jahre gewachsen und hat somit eine lange Tradition.

Es werden mittels "Antragszetteln" auf der Namensliste die ganze Woche über Wünsche vorgestellt, Projekte initiiert, Ausflüge und Feiern ausgemacht - manchmal auch Beschwerden ausgesprochen und diskutiert.

Die Moderation und die Protokollierung erfolgt durch den/die BetreuerIn. Ziel des Indianerrates ist es, möglichst gemeinsame Lösungen zu finden. In friedvoller Atmosphäre werden verschiedene Möglichkeiten besprochen und Abstimmungen möglichst vermieden. Auch hier ist es Aufgabe der Begleiter, Schutz zu geben und die Stimmung entspannt zu halten.

Die Mittwochrunde - Mitbringrunde

ist ein Zusammentragen und sich Gegenseitigvorstellen von durchgeführten Projekten. Kinder und Erwachsene präsentieren, jeder in seinem eigenen Stil, was sie beschäftigt, bewegt, berührt hat, was sie erforscht haben oder was für sie noch ein Rätsel ist. Die Zuhörer/Zuseher stellen Fragen, die sie beantwortet bekommen oder gemeinsam suchen. 

Oft werden in der Mittwochrunde auch besondere Schätze vorgezeigt, ein besonderes Wissen an andere weitergegeben oder einfach nur ein toller Witz erzählt. Es gibt Erlebnisse zu erzählen, es wird Gebasteltes, Geschriebenes oder Gelesenes hergezeigt. 

Die Mittwochrunde - Mitbringrunde wird so begleitet, dass vor direkten Wertungen (z.B. "Das ist schiach") geschützt wird. Erstes Ziel ist es, anderen mitzuteilen was einem wichtig ist. Weitere Lernziele sind: Selbst- und Fremdeinschätzung und somit der Aufbau des Selbstwertgefühls jedes Einzelnen, Präsentationsstrategien ausprobieren, das Üben von Referaten, einerseits Kritikfähigkeit (was und wie kritisiere ich) zu erlernen, andereseits Kritik annehmen zu können und nutzen zu lernen.

Die BetreuerInnen

Sie sind die "vorbereitete Umgebung" für die ihnen anvertrauten Kinder.

"Sie bereiten die Räume und das Material vor, warten es und tauschen es aus.

Sie sind verantwortlich für den Schutz jedes einzelnen Gastes im Bereich und
sorgen in ihrem Bereich für eine entspannte Atmosphäre"

(R. Wild).


Alle unsere BetreuerInnen und PädagogInnen haben Kurse in nichtdirektiver Begleitung beim Ehepaar Wild und/oder den Kurse in "DaseinSpädagogik" besucht und besuchen pädagogische Workshops und andere Fortbildungsmöglichkeiten. Sie haben FreundInnen und PartnerInnen hinter sich, die die außerordentlichen Ideen der Regenbogenschule verstehen und unterstützen. Die BetreuerInnen im Regenbogenhaus haben sich auf den Weg gemacht, die Beziehung zu Kindern vor die Erziehung von Kindern zu setzen und versuchen, dies im täglichen Leben anzuwenden.

Regeln und Grundlagen

alles zurück an seinen Platz ... das gilt auch fürs 
AbwaschenRegeln im Regenbogenhaus sind einfach spürbar und werden nicht dauernd verbalisiert oder gar aufgeschrieben. Meist reichen die beiden Urregeln
  • Hier wird niemandem wehgetan,
    weder durch Worte noch durch Taten
  • Hier werden die Sachen so weggeräumt, wie ich sie vorgefunden habe
für das Zusammenleben in der Gemeinschaft. Grundlage der Atmosphäre ist eine bedingungslose Liebe zum Leben, ein Bejahen von Lernprozessen und das Ziel, in jedem Fall "dem Leben zu helfen" (Maria Montessori).

Die Kinder haben die Sicherheit, geschützt und ernst genommen zu werden. Durch ständige Rückmeldungen der Gemeinschaft haben sie die Möglichkeit, für sich die Lebensstrategien zu suchen und zu finden. Sie lernen sich zu schützen, sich zu entscheiden, sich einzuschätzen und Konflikte auszutragen. 

Aushandlungen für die SchülerInnen im Regenbogenhaus

  • Sie entscheiden sich im Rahmen der beiden Hausgesetze "Ich tu niemanden weh" und "Ich räum wieder weg" für ihr Arbeit draußen oder drinnen.
  • Die PädagogInnen zeigen ihnen Fähigkeiten und Fertigkeiten vor und sind für sie die Vermittler von Sachinhalten. Die PädagogInnen begleiten Lernprozesse und Konfliktlösungen bei Gruppen.
  • Sie haben immer Unterricht, und zwar jahrgangsübergreifend.
  • Die Jausenpause um 10 Uhr dient der Befriedigung von Hunger und Durst und teilt den Vormittag in zwei Halbzeiten. Für die Jause haben sie ein Steingut oder Tongeschirr, das sie selber abwaschen, abtrocknen und auf eine Stellage stellen.
  • Mindestens jeden zweiten Dienstag sind die, die sieben Jahre alt sind, zum "Indianerrat" verpflichtet. Ein gruppendynamischer Input (Spiel, Lied, Stilleübung) wird als Einstimmung gesetzt, danach werden Anträge behandelt. Es sind dies Projekte, Ausflüge, Aushandlungen, Beschwerden, Wünsche. Moderator und ProtokollführerIn ist jeweils ein PädagogIn, Kompromisslösungen werden angestrebt.
  • Am Mittwoch können Dinge von zuhause (Sammlungen, Spielzeug, ...) oder selbst Erfundenes/Gebasteltes vorgezeigt und besprochen werden. Auch die PädagogInnen präsentieren Lern- und Spielmaterialien bei diesem freiwilligen Angebot.
  • Zum Umziehen haben sie Reservegewand im Regenbogenhaus.
  • Sie können eine Pflanze von zu Hause im Regenbogenhaus pflegen.
  • Die Jause von zu Hause ist Obst oder Gemüse und Mischbrot. Getränke, Süßigkeiten und Salzgebäck und Joghurt essen sie zuhause. 
  • Jeden zweiten Donnerstag haben sie die Möglichkeit, in die ATG-Halle Graz schwimmen zu gehen. Wir fahren gemeinsam mit der Straßenbahn hin und zurück. Zusätzlich zur Straßenbahnfahrt zahlen sie für die Schwimmhalle 2 Euro.
  • Im "Schulbrief" am Jahresende - nicht Zeugnis, aber gültig wie ein Zeugnis der Regelschule - ist je eine Note pro Fächerbereich nach dem Glockseelehrplan eingetragen.
  • In der vierten Schulstufe haben sie an drei Vormittagen 45 Minuten lang einen verpflichtenden "Abschlusskurs" in Deutsch, Mathematik und Englisch.
    In diesem "Fachunterricht" werden die Inhalte der 1.-4. Schulstufe von den PädagogInnen didaktisch gut aufbereitet und mit einer Wochenübungsarbeit gefestigt, auch (und das erstmalig) mit Arbeiten für zuhause.
    Sie arbeiten auf ein Ziffernzeugnis hin, es gibt Lernzielkontrollen aus Deutsch und Mathematik. Sachunterricht wird vernetzt angeboten. Einmal wöchentlich haben sie Englisch. Wichtig ist das Verstehen des Gelernten und das anschließende Üben und Anwenden des Verstandenen.
    Vom Zeitpunkt her wird dieser "kurze Frontalunterricht" an drei Tagen von 7.45 Uhr bis 8.30 Uhr  jenen 10jährigen Kindern angeboten, deren Eltern entschieden haben, dass sie im Herbst darauf das Regenbogenhaus verlassen werden. Die Abschlusskurse sind deshalb zeitlich vor der Bereichseröffnung für alle, damit die Abschlusskurskinder nicht als Spiel-und LernpartnerInnen für die anderen Kinder fehlen.
    Für diesen "Unterricht" gibt es Einzeltische mit Sessel im Festsaal, die jeweils
    am Beginn hergeräumt und eine Dreiviertelstunde später wieder an die Wand geschoben werden.
  • Am Ende der vier Jahre Primaria wird der Lehrplan der 4. Schulstufe der Regelschule erreicht.